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DIE SCHÖNE UND KEIN BIEST

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DIE SCHÖNE UND KEIN BIEST

Viktoria Lein singt mal blond, mal dunkel im Neuen Schauspielhaus in Uelzen

(Von Folkert Frels)

Uelzen. Für Viktoria Lein ist es eine Rückkehr. 1994 stand sie mit ihrem Mann Heinrich schon einmal auf der Bühne des Neuen Schauspielhauses. Jens Kunze kann sich noch gut an den damaligen Auftritt der einstigen Schauspieler des Theaters Alma-Ata (Kasachstan) im Rahmen der von Reinhard Schamuhn veranstalteten kasachischen Kulturwochen erinnern. Und auch Heinrich Lein, darauf angesprochen, hat ein Leuchten in den Augen: „Ja, wir haben Gedichte und Balladen von Friedrich Schiller gespielt…“

Das ist nun bald ein Vierteljahrhundert her. Und so ist es zu verstehen, dass Viktoria am Sonnabend in dem von ihr selbst auf den wohlgeformten Leib geschriebenen Soloprogramm „Singen sie mal blond!“ behauptet, vor 25 Jahren geboren worden zu sein und daher den Jens von klein auf zu kennen. Dies nimmt ihr wohl keiner im Saal ab – ihr Sex-Appeal, ihre Bühnenpräsenz, ihre Virtuosität in stimmlicher, tänzerischer und mimischer Hinsicht lassen sie dennoch kaum älter erscheinen. Gekonnt flirtet sie mit den Herren in der ersten Reihe – wenig später hat sie alle im Theater in ihren Bann gezogen.

Als „Rampensau“ zeigt sie ihrem Publikum, wie sie wurde, was sie ist. Es ist eine teils reale, teils fiktive Lebensgeschichte, die sie mittels vieler mit großer Intensität und musikalischem Einfühlungsvermögen vorgetragener Lieder darbietet. Sie kniet sich förmlich hinein in die Rolle des Mädchens, das von ihren Managern Verhaltensregeln mit auf den Karriere-Weg bekommen hatte – zum Beispiel, dass sie, die Dunkelhaarige, doch lieber blond singen solle. Was wohl bedeutet: nur nichts Kompliziertes, nichts zum Nachdenken. Trallala also.

Explosives soll dabei sein – sie singt Tom Jones‘ „Sex Bomb“ in korrekter Übersetzung: „Säugling, du kannst mich drehen an!“ „Die Schöne und das Biest“ schlägt den Bogen zu Disney. Janis Joplin hätte anerkennend ihren Daumen nach oben gereckt für Viktoria Lein’s Version von „Oh lord, won’t you buy me a Mercedes Benz“. Fetzig, rockig, alle Bereiche ihrer zwischen Mezzosopran und Alt angesiedelten glasklaren Stimme ausschöpfend, wirbelt sie zu „Ne-na-na-na“ in die Pause.

Im zweiten Teil schildert sie das Zustandekommen der Damen-Band „Die Champagner-Perlen“ und die einzelnen Stationen deren Welttournee, was ihr Gelegenheit bietet, gekonnt in viele verschiedene Sprachen, Dialekte, Musikrichtungen einzusteigen und typische Muster aufzuzeigen. Als Schluss-Knaller bringt sie die begeistert applaudierte Tote Hosen – Hymne „An Tagen wie diesen“. Danke, Viktoria Lein, für diesen peppigen, melodischen Abend und auf ein Wiedersehen in 2019, wenn das 25-jährige Jubiläum ihres ersten Auftritts im Neuen Schauspielhaus Uelzen gefeiert werden kann.

Videos – Viktoria Lein